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01.09.2018 08:42

Kalligraphie und Sütterlinschrift Kurse an der VHS Cottbus - 2018

Kalligraphie für Einsteiger: In diesem Kurs erlernen Einsteiger mit Hilfe der gotischen Buchstaben und unterschiedlicher Feder- und Schriftgrößen die Aspekte der Blatt- und Farbgestaltung bis hin zu eigenen kreativen Schöpfungen auf unterschiedlicher Papiergröße.
Sütterlinschrift und ihre Anwendungen: Geeignet ist dieser Kurs für Familienforscher, Wappenkundler, Studenten des Bauwesens, Deutschlehrer und Schreib- und Leseinteressierte ohne Vorkenntnisse.
Alte Handschriften lesen lernen:
Dieser Kurs wendet sich nicht nur an Historiker, Archivare, Genealogen, Ortschronisten oder Deutschlehrer, sondern an alle, die sich für alte handgeschriebene Schriftstücke vergangener Epochen interessieren und diese durch Lesen inhaltlich erschließen möchten.

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in eigener Sache - Plauderei

Ludwig Sütterlin

Ludwig Sütterlin, um 1914
Ludwig Sütterlin, um 1914
...wurde am 23. Juli 1865 in Lahr im Schwarzwald geboren.

 

Über seine Kinder- und Schulzeit ist so gut wie nichts bekannt. So wissen wir jedoch, daß er 1890 nach Berlin gezogen ist. Hier arbeitete er als Graphiker und wurde 1894 dadurch bekannt, als er die Zeichnungen anläßlich des Jubiläums der „ Berliner Elektrizitätswerke AG“ schuf und 1896 dafür den ersten Preis im Plakatwettbewerb für die Berliner Gewerbeausstellung errang.

 

Sütterlin arbeitete mehrere Jahre als Lehrer an der „ Unterrichtsanstalt der königlichen Kunstmuseums zu Berlin“, die spätere „Vereinigte Staatsschule für freie und angewandte Kunst“. Schon in dieser Tätigkeit hielt er Lehrgänge in künstlerischer Schrift ab. Im Jahr 1911 erhielt Ludwig Sütterlin vom Königl.-Preußischen Kultusministerium den Auftrag, Schreiblehrgänge für Vor- und Volksschullehrer an Berliner und Düsseldorfer Schulen abzuhalten. Im Rahmen dieser Lehrgänge, die den Charakter von Arbeitsgemeinschaften hatten, entstand im wesentlichen die heute bekannte Sütterlin-Schreibschrift. Diese wurde 1914 dem preußischen Kultusminister und einem Sachverständigenausschuß vorgelegt und von diesem für schultauglich befunden.
Grundlage seiner von ihm entwickelten Schrift waren die Gedanken des von ihm geschätzten großen Schriftreformers Rudolf von Larisch (1856 – 1934), indem eine Gleichzugfeder (auch als Redisfeder bekannt) ohne den schwierigen Druckwechsel - wie es bis dahin mit der Spitzfeder erforderlich war (und ist) - mit einer kindgerechten Methode eine einheitliche Strichstärke erzeugte.

Ludwig Sütterlin wollte seine für Schreibanfänger ausgerichtete Lehrmethode nicht als starres Vorbild für eine alltagstaugliche Gebrauchsschrift verstanden wissen, vielmehr als Einstiegsschrift für Schulanfänger, die aus diesem Grundgerüst im Laufe der Zeit durch ihre Anwendung eine eigene Handschrift entwickeln sollten. Dieser oft zu unrecht vergessene Anspruch an die „steif und wenig wertvoll wirkende Schrift Sütterlins“ war ein oft erhobener aber keineswegs gerechtfertigter Vorwurf.
Etwa zeitgleich entwarf Sütterlin neben der deutschen zeitgleich auch eine lateinische Schreibschrift nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten.

Die Sütterlin-Lehrmethode wurde zunächst mit dem Erlaß vom 8. Juli 1915 probeweise an den preußischen Schulen eingeführt und schließlich mit dem Erlaß vom 13. Juni 1918 für ganz Preußen als verbindlich erklärt (Thüringen 1929, Hessen1930, Baden und Danzig 1931).

Über seine neue Schrift sagt Ludwig Sütterlin:
"Unsere neuen Buchstaben wollen weiter nichts sein als schlichte Vorbilder für den Anfangsunterricht, die an die kindliche Auffassungs- und Darstellungsfähigkeit nur geringe Anforderungen stellen. Sie wollen die Grundlage sein, auf der im Verlaufe der Unterrichtsjahre die weitere Entwicklung zu flüssigen, schönen und deutlichen Handschriften sich vollziehen kann."

Den durchschlagenden Erfolg seiner Schreibmethode konnte Sütterlin nicht mehr erleben.
Er starb in Berlin am 20.November 1917, nach einer Quellenangabe wohl als eines der vielen Opfer der Hungerblockade gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg.
Rund 70 Millionen Deutsche beherrschten diese Schreibschrift und die deutsche Druckschriften (verschiedene Frakturschriften). Mit dem Edikt Hitlers vom 3.Januar 1941 verschwanden beide Anwendungen in den Schulen und Druckereien. Es dominierte als Schreibschrift die  Deutsche Normalschrift und im Druck die lateinischen Buchstaben der Antiqua. Da Sütterlin auch sein lateinisches Schreib-Alphabet für die Schule entwickelt hatte, wurde auf dieses zurückgegriffen, ohne daß es seinen Namen trug.

Sütterlins großer und auch damals kaum erkannter Verdienst war es , daß er in einer Zeit des Umbruchs in Kunst und Kultur eine neue deutsche Schreibschrift unter Berücksichtigung neuester didaktischer Erkenntnisse, aber auf der Grundlage der historischen Schriftentwicklung geschaffen hat.

In der "Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung" in Berlin lagern die Sütterlin-Fibeln seines Jahrhunderts für die damaligen Erstkläßler sowie methodische Bücher für den Sütterlin-Lehrgang für Lehrer.
So ist er wenigstens in dieser Form für uns unvergessen - Ludwig Sütterlin und seine Schrift !